Geht's auch anders?

Highspeed-Glittershad mit Zielerkennung, ferngesteuerte Tungsten-Torpedo-Nymphen, Hochleistungsangelruten mit automatischer Motorik-Korrektur, ....

Wenn man sich die Entwicklung am Angelsektor so ansieht, kann die von mir nicht ganz ernstgemeinte Aufzählung eigentlich nur irgendwann eine logische Konsequenz darstellen........

Waren unsere Angelvorfahren allesamt Stümper, die vom Angeln keine Ahnung hatten? Ganz klares NEIN!
Ok, es waren die Zeiten natürlich andere, auch die Gewässer waren mit den heutigen nicht vergleichbar. Es gab reichlich Fisch für alle, wenn man den Erzählungen glauben kann. Wie so oft, wird die Wahrheit irgendwo in der Mitte liegen.
Wie oft musste ich mir schon anhören:


"... ohne Boilies mit speziellem Proteingehalt fängst du heute nicht mehr..."
"... ohne Tungsten mit speziellem Facettenschliff kommst du nicht zu den Fischen ..."
"... ohne speziell gefertigten Blinkern mit Suchscheinwerfern geht sowieso nix..."

 

Stimmt dies tatsächlich alles? Oder fallen die Angler da bloß auf die üblichen Werbebotschaften rein?

Ich sehe immer noch Karpfenangler, die mit Kartoffeln die dicksten Rüssler an Land ziehen.
Ich fische am liebsten mit den klassischen Mustern alter Meister der Fliegenbinderkunst.
Auch der gute allte Effzet (oder so ähnlich) fängt auch heute noch seine Hechte.
Usw...
Ich gebe ja zu, es ist verlockend mit der Investition von ein paar Euros auch die sogenannten Unfangbaren an den Haken zu bekommen.
Muss man das? Dürfen nicht ein paar dieser "Unfangbaren" auch einfach nur Legende bleiben? "Ich hab da einen gesehen, der....",

Man muss sich den Neuentwicklungen ja nicht verschließen. Mit Sicherheit sind gute Sachen dabei, aber ich kann's einfach nicht glauben, dass man mit der Rute vom Vorjahr heute keinen Fisch mehr landen kann.
Da wird einerseits um jedes Gramm gefeilscht, der eigene Bauchspeck wirkt sich dann anscheinend aber nicht wesentlich aus.

Unzählige Angler behaupten, sie gehen nur zum Ausgleich angeln, laufen dann aber freiwillig dem Erfolg nach. Höher, größer, schneller, weiter....

Ich für mein Teil hab schon vor ein paar Jahren begonnen (ich arbeite immer noch daran), DAS ANGELN MEINEN BEDÜRFNISSEN anzupassen, und nicht umgekehrt. Ich sehe mir gerne Neuerungen an, aber ich muss nicht alles haben.
Es dürfen auch ein paar Fische unfangbar bleiben. "Ich kenn da einen, der hat letztens....."

Geht's nicht auch anders?

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Kommentare: 4
  • #1

    Steven (Mittwoch, 14 Dezember 2016 11:20)

    Sehr gut geschrieben, leider lassen sich viele Angler aber dennoch dazu verleiten immer das neueste haben zu müssen. Es ist nicht immer alles Gold was glänzt.
    In diesem Sinne TL

  • #2

    Lars (Mittwoch, 14 Dezember 2016 11:47)

    Volle Zustimmung und mir gefällt "DAS ANGELN MEINEN BEDÜRFNISSEN anzupassen". Ein Bedürfnis kann sein, dass man immer das neuste Equipment haben muss. Einerseits als Statussymbol oder in der Hoffnung, dass man tatsächlich erfolgreicher wird, wenn man den Versprechungen der Firmen folgt.
    Tatsächlich ändern sich Bedürfnisse mit wachsender Erfahrung. Um einen Nagel in die Wand zu schlagen braucht man einen Hammer. Selbst wenn der vergoldet ist, hilft es nicht dabei das Bild aufzuhängen.

  • #3

    Michael (Mittwoch, 14 Dezember 2016 12:40)

    Machen die Durststrecken zwischen den Erfolgen nicht alles noch viel spannender? Und den Köder oder die Rute die einem den Fang garantieren gibt es sowieso nicht. Für mich ist schon lange das tatsächliche Fangen in den Hintergrund gerückt. Das Naturerlebnis steht ganz klar im Vordergrund.

  • #4

    Peter H. Postlbauer (Donnerstag, 15 Dezember 2016 07:22)

    Danke für die netten Reaktionen auf meinen Artikel, das freut mich sehr!
    Natürlich verschließe ich mich nicht den Neuerungen, aber ich versuche trotzdem mich auf Traditionen zu besinnen und diese zu bewahren. Das geht sehr gut, wenn man ganz bewusst Altes und Neues verbindet.
    Gustav Mahler hat das so schön auf den Punkt gebracht:
    "Tradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers".
    Lieben Gruß,
    Peter H. Postlbauer