Ein Tag an der Ager

Es ist wohl schon ein paar Jahre her, aber ich erinnere mich noch gut an dieses Erlebnis.

Ein schöner Frühlingstag, das Wasser der Ager war ok, eine nette, homogene Gruppe Fliegenfischer und Roman Moser - es war der Abschlusstag eines Kurses.
Ich hatte bereits ein paar gute Fische mit der gezogenen Sedge gefangen, da erspähte ich aus den Augenwinkeln einen dunklen Schatten in einem Pool. Hmmm...

das wär was, den zu fangen. Nach ein paar Minuten auf einem Stein sitzend, und den Schatten beobachtend, war mir klar: da ist mit mit der Trockenfliege nix zu machen, der Fisch lässt sich nicht locken. Also eine Goldkopfnymphe  (keine Ahnung mehr, welche das war) montiert, und los gings.
Die goldene Regel missachtend, nach der man nur eine geringe Anzahl an sinnvollen Würfen für einen bestimmten Fisch hat, versuchte ich es immer und immer wieder - wahrscheinlich hat der Fisch meine Nymphe noch nicht gesehen.

Und jetzt auch noch ein Hänger. Nach einer Ärger-Sekunde schoss mir das Adrenalin in die Adern. Sofern Steine sich nicht bewegen, muss dies der angesprochene Fisch sein. Da war die Forelle allerdings schon in der Strömung. Ich hatte wohl schon des öfteren das Backing meiner Flugschnur gesehen, bis zu diesem Augenblick war das allerdings nur bei der Schnurpflege.
Ssssssss.... energisch trieb das Surren der Fliegenrolle (eine Salza) mein Adrenalin immer weiter in die Höhe, die Hände waren nicht vom Wasser der Ager nass.

"Lass dir Zeit, nur schön langsam" - Roman Moser hat mich und meine Hilflosigkeit (ich war eigentlich noch ein Novize der Fliegenfischerei) wohl schon ein Weilchen beobachtet. "Lass dir Zeit, was hast denn drauf?" - "Goldkopf". "Welche Spitze?" - "Sechzehner" - "Dann lass dir lieber noch mehr Zeit - schön langsam, lass sie noch ein wenig gehen, und jetzt gibst ein wenig mehr Druck".
Nach einigen Fluchten - gefühlten 300 - wahrscheinlich waren es 3 oder 4, ergab sich die Forelle schön langsam in ihr Schicksal.
Endlich stand sie vor mir im seichten Wasser: eine wunderschöne Regenbognerin, gehüllt in herrliches Silber mit leuchtend roten Flanken, mit Flossen wie ein Apnoetaucher.
Behutsam löste ich den Haken, und half ihr bei der Regeneration. Nach einem leichten Schubs verschwand sie wieder in der Tiefe.
Ich hab sie nicht gemessen - eine ungefähre Schätzung anhand markanter Punkte auf der Rute ergab allerdings eine 50+ im hohen Bereich.
Ich muss wohl schon eine Weile auf einem Stein gesessen haben, mit glückseligem und mit Sicherheit leicht verblödetem Gesichtsausdruck, wurde ich wieder in die Realität zurück geholt. "Willst du nicht mehr fischen?". "Nein Roman, besser kanns sowieso nimmer werdn".
Ich angelte an diesem Tag tatsächlich nicht mehr weiter, weil ich fürchtete, ich könnte mir dieses Glücksgefühl durch irgendein Missgeschick ruinieren. Ich beließ es für den Rest des Nachmittags beim Beobachten der anderen Fliegenfischer.
Noch am Nachhauseweg auf der Autobahn habe ich wohl noch den "etwas anderen" Gesichtsausdruck vor mir hergetragen.

 

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Wie alles begann - oder die Infektion mit dem Angelvirus

Passend zur Schonzeit....

Mich kennen ja die meisten nur als Fliegenfischer - kaum einer weiß, dass auch ich einmal auf Karpfen und Co. geangelt hab. Aber es wird ja niemand als Fliegenfischer geboren.
Ja, aber wie bin ich überhaupt zum Angeln gekommen?

"Du, i moch an Fischakurs, gehst mid?" "Na, des interessiert mi ned, des moch i in da Pension, waun i nimma weida kaun...."
Da hätten wohl einige ein Verständnisproblem, darum lieber in allgemein verständlichem Deutsch......
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Geht's auch anders?

Highspeed-Glittershad mit Zielerkennung, ferngesteuerte Tungsten-Torpedo-Nymphen, Hochleistungsangelruten mit automatischer Motorik-Korrektur, ....

Wenn man sich die Entwicklung am Angelsektor so ansieht, kann die von mir nicht ganz ernstgemeinte Aufzählung eigentlich nur irgendwann eine logische Konsequenz darstellen........

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I see you - Äschenfischen auf Sicht

"Servus, ich bin es, der Ronny (Ronny Windl), wir haben schon einmal telefoniert. Hättest du die nächsten Tage vielleicht Zeit, mit mir einen Tag an der Lammer zu verbringen? Ich würde dich nämlich gerne für einen Tag zum Äschenfischen auf Sicht und ein persönliches Guiding einladen......"

 

Sprachlos hielt ich mein Handy in der Hand....

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Gans dumm gelaufen...

Der Tag des Heiligen Martin rückt näher, somit auch die alljährliche Martinigans. Es sollen ja damals laut schnatternde Gänse den Heiligen Martin verraten haben, und somit wurde er gefunden und zum Bischof geweiht. Das ist natürlich eine Legende.

Dabei schafft es doch tatsächlich, die eine oder andere Kindheitserinnerung wieder aus der Versenkung in die Gegenwart, und ist eine mögliche Erklärung dafür, warum ich ebenfalls die Martinigans "zum Fressen" gerne mag.

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Schön wie Bernstein - der Kamp

Der Herbst zählt doch zu den schönsten Jahreszeiten, und das ganz besonders für die Fliegenfischer. Wer schwärmt da nicht - und das ganz zu Recht - von seinen Erlebnissen an den berühmten Flüssen irgendwo im Ausland.

Dabei liegen die allerschönsten Flecken der Erde nicht selten ganz in der Nähe....

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Freitag nach Dienst... or another day in paradise

Die Tage werden deutlich kürzer, das Tageslicht wird weniger, deshalb wieder eine Erinnerung an einen wunderbaren Tag, an einem wunderbaren Gewässer.

 

Freitag ist bei mir ja immer ein "kurzer" Tag, ich konnte kaum erwarten, dass es endlich Mittag und somit Dienstschluss wird. Die Fliegenfischerausrüstung hatte ich schon im Kofferraum, das Wetter war perfekt, und die Jause hatte ich daheim vergessen...... Gott sei Dank hab ich von meiner Arbeitsstelle ja nicht weit nach Hause.

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Heiß wars - schön wars

Ist wohl schon ein paar Wochen aus, aber ich freu mich immer noch :-)

Nachdem ich letztes Jahr kaum zum Fischen kam, und auch heuer bis zu dem Tag erst ein einziges Mal die Fliegenrute geschwungen hatte, setzte ich wieder einmal einen meiner Bäche auf's Programm.

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Klein aber oho - der Hülsenstoppel

Ein wohl kleines und unscheinbares, aber trotzdem sehr wichtiges Zubehörteil bei einer Gespließten ist der Hülsenstoppel, schützt er doch die Steckhülse aus feinem Nickelsilber vor Verschmutzung und Korrosion.

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Teichl und Maifliege - die Fortsetzung

Zum ersten Teil von "Teichl und Maifliege"

 

Wer mich kennt, hat es natürlich sofort erraten: Ich bin selbstverständlich weitergegangen. Einmal einen Entschluss gefasst, verfolge ich normalerweise stur mein Ziel. Auch wenn ich mir nicht wirklich sicher war das Richtige zu tun, wäre doch das Wasser schon so nah gewesen.

Aber andererseits war ja in der Entfernung schon mein Ziel zu sehen.

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Teichl und Maifliege

haben ja eigentlich nicht wirklich viel miteinander zu tun. Mitte September schon gar nicht. Oder etwa doch? .....

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Abfall oder Schatz

Ganz eng liegen diese Themen beisammen. Was für den einen nicht (mehr) verwendbar ist, oder vielleicht nur noch als Brennholz, das ist für den anderen wichtiger Rohstoff oder sogar ein wertvoller Schatz.

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Der Watstock, ein wichtiges Utensil

Viele finden es wahrscheinlich nicht besonders cool, auf einen Watstock zu vertrauen. Wenigstens hab ich schon oft gehört: "dieses Klump braucht kein  Mensch".

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Geheimnisvolle Hinterhöfe

oder Fliegenfischen mitten im Ort.

 

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